Rallye des Pharaons 2003



Mit einem überraschenden Sieg für den spanischen KTM-Werkspiloten Juan Roma endete die "Rallye des Pharaons" 2003. Vom vierten Tag an hatte sein Teamkollege Richard Sainct in Führung gelegen, alles deutete darauf hin, dass der Franzose die Rallye für sich entscheiden würde.

Doch Nani Roma konnte das Blatt auf der letzten Etappe noch zu seinen Gunsten wenden. Er fuhr auf den letzten 350 Kilometern wie entfesselt über fünf Minuten heraus. Das reichte für den Gesamtsieg.

Dritter wurde Cyril Despres, ebenfalls KTM Factory Team, der damit auch die Führung in der WM übernahm. Bester Privatfahrer wurde der Pole Marek Dabrowski auf Rang vier, bester Nicht-KTM-Fahrer der Italiener Antonio Colombo auf einer Alfer (Platz 12).

Auf der letzten Etappe fielen noch die beiden KTM-Werksfahrer Alfie Cox und Marc Coma wegen Motorschadens aus.

Bester Deutscher wurde Andor Baltz auf Gesamtrang 16. Der holte sich auch den dritten Rang in der Kategorie "Production". Ich konnte dank Super-Motorisierung mit einer von Griesser aufgebauten KTM EXC Racing 525 (siehe eigene Page) meine Rivalin Paola Pelizzeni auf Distanz halten und bekam den Pokal für die Damenwertung.

Insgesamt blieben rund ein Drittel der 73 gestarteten Fahrer auf der 3.350 Kilometer langen Strecke, nur 51 erreichten das Ziel. Gestartet wird die Rallye traditionell am Fuß der Pyramiden von Giza, wo sie auch endet. Diesmal führte sie ganz durch Ägypten bis an die Grenze zum Sudan, nach Abu Simbel. Vom fahrtechnischen Anspruch her waren die Etappen sehr durchwachsen, das Spektrum reichte von hundert Kilometer Vollgas bis hin zu Trial.

Die Etappen sind zum größten Teil "hors piste" angelegt, das heißt, es wird absolut querfeldein gefahren, ohne Piste. Dadurch spielt auch die Navigation eine besondere Rolle. Pistenlos über unberührte Wüstenlandschaft fahren gehört zum schönsten, was man als Motorradfahrer erleben kann. Man sucht sich seine eigene Spur, was im Sand besonders von Vorteil ist. Auf Schotter ist es ohnehin egal, ob man über die selben Steine rumpelt wie der Vorgänger oder über andere.

Dazu kommt die einzigartige Kulisse. Ägyptens Wüste ist riesig, leer und beeindruckend. Mal fährt man durch bizarr erodierte Kalkfelsen in der sogenannten "weißen Wüste", mal kilometerlang über Fesch Fesch, dann wieder über Schutthügel, Dünen oder einfach Vollgas in der Ebene, ohne Erhebung, ohne Strauch, ohne Berge am Horizont, ohne Spur, bretteben, wie durch einen Ozean aus Sand.

Für mich war es die erste Rallye in Wertung nach zwei Jahren Wettbewerbpause. Ich war bei der Ägyptenrallye 2001 gestürzt und buchstäblich auf den Kopf gefallen. Der Pressehelikopter fand mich verwirrt zu Fuß durch die Wüste laufend. (Wurde mir erzählt, ich hab alles vergessen). Danach dachte ich, es sei wohl besser, das Rallyefahren an den Nagel zu hängen. Ich war ein paar Mal im Urlaub in der Sahara, und mit der Zeit fehlte mir dann doch etwas. Als dann von Griesser Motosport das Angebot kam, eine von ihm umgebaute EXC zu fahren, konnte ich fast schon nicht mehr anders. Ich nahm eine WM-Lizenz und meldete mich bei der Rallye des Pharaons an.

Die Ägyptenrallye zählt zur FIM-Weltmeisterschaft der Kategorie "Enduro-Marathon". Sie ist der fünfte von sechs WM-Läufen neben Tunesien, Marokko, Türkei, Australien und Dubai. Am Start war das vollständige KTM-Werksteam mit Fabrizio Meoni und Juan Roma mit den Zweizylindermaschinen sowie Richard Sainct, Cyril Despres, Isidre Esteve, Marc Coma, Jean Brucy, Alfie Cox und Carlo de Gavardo auf den LC 4 Einzylindern. Dazu zahlreiche Privatfahrer von Rang und Namen wie der Franzose Francois Flick, Marek Dabrowski und Jazek Czachor aus Polen, Matteo Graziani, Oscar Polli und Antonio Colombo aus Italien und so weiter. Als meine persönliche Mitbewerberin in der Damenklasse war die x-fache italienische Rallye-Championessa Paola Pelizzeni mit dabei. Eigentlich eine Angstgegnerin, die Andrea Mayer Italiens. Glücklicherweise war ich deutlich besser motorisiert als sie, sie hatte eine 1150er BMW dabei. Auch wenn das Gerät so gut wie möglich abgespeckt war, hatte sie mit der Wuchtbrumme doch ordentlich zu kämpfen, während ich mit meinem Hüpfer entspannt durch die Botanik rollte.

Na ja, mehr oder weniger. Immerhin blieben mir Stürze erspart. Zweimal kippte ich um. Das eine mal bei der Abfahrt von einem CP, den die Orga auf einem steinigen Hügel platziert hatte. Es führte weder ein Weg hinauf noch hinab. Rauf ging ja noch. Beim runterfahren hätte ich in einer Rechtskurve den Fuß setzen müssen - leider war da ein Meter tief nichts, weil der Boden nach innen abfiel. Und weil ich zu wenig Schwung hatte und das Vorderrad von einem Stein blockiert wurde, kam es wie es kommen musste. Das Moped lag kopfüber im Geröll. Ich musste also das Gerät über den großen Winkel aufstemmen, gar nicht so einfach, weil es tierisch steil und rutschig war. Aber Wut verleiht Kraft, und irgendwann stand das Ding wieder auf seinen Rädern. Das andere Mal bin ich über einem Dünenkamm weggerutscht. War völlig undramatisch.

Am schlimmsten ging es mir definitiv am letzten Tag. Der vorletzte Tag war die längste und härteste Etappe bis dahin gewesen. Leider kam ich erst spät ins Bett und musste früh um vier wieder aufstehen, weil wir noch den Roadbookhalter von Peters Motorrad abbauen und an mein Motorrad anschrauben mussten. Somit war ich zerschlagen vom Vortag und mir fehlten einfach ein paar Stunden Schlaf. Es ging los, dass die Strecke voll Richtung Osten führte und ich von der tief stehenden Sonne so geblendet war, dass ich fast nichts sah. Dann kam eine dämliche Geröll-Hügelgruppe, nur wegloser Schutt und Schotter, dann bin ich der falschen Spur in die Oasengärten nachgefahren und saß in einem Bewässerungskanal fest, der genauso breit war wie das Motorrad lang. Als ich mich wieder frei fahren wollte, machte das Bike einen Satz nach oben und mir riß es fast den Arm aus. Hat noch die ganze Strecke über wehgetan. Es brauchte bis zum Assistenzpunkt, bis ich endlich so etwas wie einen Rhythmus gefunden habe. Danach ging es einigermaßen flüssig, aber ich zählte doch jeden Kilometer, den es weniger wurde. Als dann zehn Kilometer vor dem Finish der Sprit ausging, reichte es mir. Glücklicherweise kam ich mit der Reserve noch ins Ziel. Dort erwartete mich Peter. Paola war schon zehn Minuten vorher eingetroffen, sie ist wenn es richtig schnell geht, mit der BMW im Vorteil. Trotzdem hatte ich genug Polster, der Sieg war ungefährdet.


Katrin Lyda


Fakten:

Gesamtergebnis

Vollständige Ergebnisliste plus Tagesresultate unter www.rallyedespharaons.com

Ägypten-Rallye 2002

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Juan Roma











Andor Baltz






 

Weisse Wüste

 

vor Pyramide

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Podium mit Jack Ickx